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Samstag, 27. November 2021

Eine sinnvolle Initiative wird vom Südkurier aufgezeigt: "Wenn das Haus im Alter zu groß ist"

Südkurier  hier VON SANDRA MARKERT WIRTSCHAFT@SUEDKURIER.DE

 Ein großes Grundstück, 160 Quadratmeter Wohnfläche: Schön viel Platz für eine vierköpfige Familie, zu viel Platz für zwei Leute......

„Meine Frau und ich sind beide in Bodnegg aufgewachsen, wir haben unsere Familien hier, unser ganzes soziales Umfeld. Wir wollen hier wohnen bleiben. Und wir mögen unseren Garten.“ Stefan Fricker fasst zusammen, was viele Hausbesitzer jenseits der 50 umtreibt: Sich verkleinern wenn die Kinder aus dem Haus sind, das klingt sinnvoll, erst recht angesichts stetig steigender Energiepreise. Aber das gewohnte Umfeld verlassen, dazu sind die wenigsten bereit. Vor allem dann, wenn sie in guter Lage wohnen.

„Aber muss man wirklich ausziehen, wenn man sich verkleinern will?“ Diese Frage treibt Christa Gnann seit Jahren um. Die 56-Jährige arbeitet im Bürgerkontaktbüro der Gemeinde Bodnegg und bekommt dort täglich die Sorgen älterer Gemeindemitglieder mit. Wie das wohl wird, im viel zu großen Haus und womöglich irgendwann auch allein alt zu werden?

.... „Irgendwann kam mir die Idee, ob sich Einfamilienhäuser nicht so teilen lassen, dass darin mehrere Wohneinheiten entstehen“, sagt Christa Gnann.

So könnte man dringend nötigen Platzbedarf für junge Familien schaffen, ohne ständig Neubaugebiete erschließen zu müssen. Und die ältere Generation könnte vielleicht länger in ihren eigenen vier Wänden bleiben, wenn jemand vor Ort wäre, der auch mal Einkäufe übernimmt oder bei der Gartenarbeit mit anpackt. „Vor allem aber würden wir gegen die unglaubliche Wohnraumverschwendung angehen. Was ist das bitte für ein Luxus, wenn überall Zimmer leer stehen, die allenfalls noch als Bügelzimmer genutzt werden. Oder einmal im Jahr als Gästezimmer, wenn an Weihnachten die Kinder zu Besuch kommen?“

Christa Gnann unterhielt sich mit Gemeindemitarbeitern und Architekten, arbeitete ein Projektkonzept aus und bewarb sich damit beim Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg um Fördergelder im Rahmen der Wohnraumoffensive Baden-Württemberg.

Seit Juli kann die Gemeinde interessierten Bürgern nun 400 Stunden kostenlose Beratung durch Architekten anbieten. Es geht um eine Erstberatung inklusive Konzept, wie man das zu groß gewordene Eigenheim umbauen könnte. „Aus alt mach 2 – und mehr“, nennt sich dieses vom Land ausgezeichnete Förderprojekt. In der Gemeinde Bodnegg ist es vom ersten Tag an auf eine riesige Nachfrage gestoßen. Andere Gemeinden bekamen Wind davon und planen nun Ähnliches. „Wir sind regelrecht überrannt worden“, fasst Wolfgang Selbach zusammen, was seit Juli in seinem Architektenbüro los ist. Der 56-jährige Architekt aus Ravensburg hat in den vergangenen vier Monaten im Rahmen des Projekts bereits 45 Familien besucht, Grundrisse studiert und mit den Bewohnern zusammen Ideen entwickelt, wie sich ihr Haus teilen lassen könnte.....

Bei fast allen 45 Familien, die Wolfgang Selbach bislang besucht hat, lässt sich der Umbau vom Ein- in ein Mehrfamilienhaus realisieren. „Manchmal muss man nur einen Windfang und eine zweite Haustür einbauen, dann reichen 5000 Euro.“ Wenn ein zweites Bad, Anschlüsse für eine weitere Küche oder eine Außentreppe dazu kommen, sei man aber auch schnell mal bei 50 000 Euro. ....

Montag, 1. November 2021

Idee in Owingen: Gemeinde macht Strom künftig selbst

 Südkurier  hier 

Bereits vor mehr als einem Jahr hatte die Gemeinde Owingen eine Untersuchung in Auftrag gegeben, inwieweit die kommunalen Dächer für eine regenerative Energiegewinnung taugen und inwieweit eine Bestückung mit Fotovoltaikmodulen sinnvoll sein könnte. Nun lässt die Kommune Taten folgen und gibt die Installation von jeweils zwei Anlagen auf den Dächern von Rathaus und Kinderhaus St. Nikolaus in Auftrag. Der Gemeinderat schluckte mit seinem Beschluss auch die bittere Pille, dass die Kosten mit knapp 150 000 Euro um satte 35 Prozent über der Kostenschätzung des Ingenieurbüros Kirchner liegen, das mit rund 110 000 Euro gerechnet hatte.

Ein Vorteil für die Kommune ist es, dass der produzierte Strom über eine bereits zwischen den Anlagen bestehende Trafostation für den eigenen Gebrauch eingespeist und nach dem Bedarf in den jeweils benötigten Gebäude reguliert werden kann.

Die Preissteigerungen resultieren nach Darstellung der Verwaltung aus der aktuellen Auslastung des Marktes und den hohen Rohstoffpreisen. Von acht Firmen hatten lediglich zwei ein Angebot abgegeben, wobei die Pfullendorfer De Limes Energy den Zuschlag erhielt. Noch nicht berücksichtigt war bisher auch die Installation eines Taubenschutzes gegen die Beschädigung der Anlagen, der allein mit 8000 bis 10 000 Euro zu Buche schlage, erläuterte Ortsbaumeister Bernhard Widenhorn. Ein Mehraufwand entstehe zudem durch die Notwendigkeit von zwei neuen Zählerschränken im Rathaus und im Kinderhaus.

Durch die höheren Kosten verlängere sich die voraussichtliche Amortisationszeit für die Investition auf etwa 16 Jahre bei einer Nutzungsdauer von 20 Jahren. Ungeachtet der Wirtschaftlichkeit sei es in Anbetracht des Klimawandels aus Sicht der Verwaltung dringend geboten, Maßnahmen zur Verbesserung der Klimaneutralität umzusetzen. Zudem machte Gemeinderätin Susanne Riester Hoffnung, dass die hochwertige Module – wie in Billafingen erkennbar geworden sei – ihre Aufgabe länger als 20 Jahre erfüllen könnten.

Mittwoch, 27. Oktober 2021

Antrag der Fraktion GOL: Mehr Tempo für den kommunalen Klimaschutz in Salem

 i    Der Antrag ist hier zu finden
Der Antrag wurde am 19.10.21 auf die Tagesordnung gesetzt.
 

      Im Amtsblatt wurde Folgendes Ergebnis der Beratung  veröffentlicht:  
Amtsblatt der GEMEINDE SALEM
 Seite 5 / Freitag, 22.10.2021  

Auf Antrag der GoL hat der Gemeinderat
 über folgendes Thema beraten: „Haushaltsdebatte: Mehr Tempo beim Klimaschutz in Salem“
Ziel des Antrages ist, in Salem die Bedeu
tung des Klimaschutzes zu stärken und den Weg zur Klimaneutralität entschlossen weiterzugehen. Nach ausführlicher Beratung hat man sich im Gemeinderat auf folgende Vorgehensweise geeinigt:  

1.Salem bekennt sich zu seiner kommunalen Vorbildfunktion im Bereich Klimaschutz und Energieeffizienz. Es soll sichergestellt werden, dass genehmigte Maßnahmen zügig erfolgen. Die Erhaltung und Förderung der Biodiversität wird dabei berücksichtigt

2. In den Haushalten der Gemeinde Salem werden, 
beginnend ab Haushaltsjahr 2022, besonders klimaschutzrelevante Investitionen als „Maßnahme zum Klimaschutz oder zur Klimawandelanpassung“ ausgewiesen.

3. Die Verwaltung prüft, ob bzw. wie künftig bei Entscheidungen über Investitionen auch deren Klimaschutzwirkung dargestellt werden kann

 

Verlauf der Sitzung:


Nachdem Birgit Zauner den Antrag vorgetragen hatte kam massiver Widerspruch von BM Härle:er sei persönlich der Meinung, dass die Gemeinde schon sehr viel für den Klimaschutz gemacht habe.
Von der CDU meldete sich Petra Herter zu Wort
. Sie könne bei manchen Dingen zwar mitgehen, es sei ihr insgesamt aber zu wenig konkret.

Henriette Fiedler verwies auf den Antrag zum EEA, auf den sie nach wie vor große Hoffnungen setze.


Auch die GOL würde gerne mit der Vorlage des EEA arbeiten - doch warten wir inzwischen seit 1,5 Jahren auf eine Vorlage. Immer wieder haben wir nachgefragt und die lapidare Antwort erhalten: Wir sind dran. Irgendwann hieß es: Wir haben jetzt ein Büro beauftragt - ohne Konkretisierung.
Wir wissen nicht wie der Wortlaut der Beauftragung lautet, bezüglich Umfang und Fragestellung.  Was wird erhoben? Hat das Büro schon begonnen? Ist nur die Grundlagenerhebung beauftragt worden? Wann können wir denn nun mit einer Vorlage rechnen?


Gleichzeitig hat Baden-Württemberg inzwischen ein neues Klimaschutzgesetz.

Paragraf 7 b verpflichtet die Kommunen zur Erfassung des Energieverbrauchs.

 

Auf der Seite des Ministeriums ist zu lesen:

 

Kommunen sind noch weit davon entfernt, Klimaneutralität bei Gebäudebestand und Verwaltung zu erreichen. Wichtigste Voraussetzung dafür ist es, den eigenen Energieverbrauch zu kennen und transparent darzustellen – am besten in Form eines professionellen, kommunalen Energiemanagements. Viele Kommunen stehen hier noch am Anfang und sind auf Unterstützung angewiesen.

 

Das Klimaschutzgesetz Baden-Württemberg verpflichtet Kommunen nun dazu, ihren Energieverbrauch in einer zentralen, leicht zu bedienenden und kostenlosen Datenbank zu erfassen.

Dies soll im Jahr 2021 erstmals für das Jahr 2020 erfolgen. Die Kommunen können dadurch ihre Vorbildwirkung verbessern. Gleichzeitig tragen sie zum Klimaschutz bei und entlasten ihre Kommunalhaushalte .

Jährlich bis zum 30. Juni des Folgejahres müssen Kommunen die Energieverbrauchsdaten (für lediglich 80 Prozent der Hauptverbraucher), die den bereits bezahlten Energierechnungen zu entnehmen sind, und die jeweils dazugehörigen spezifischen Daten (Flächen, Einwohner, usw.) einpflegen.

Bei Kommunen, die bereits kommunales Energiemanagement (kEM) betreiben, sind es nur Summendaten und keine Einzelverbraucher. Außerdem müssen sie den Energiebericht hochladen.


Die Vorgaben des Umweltministeriums sollten inzwischen auch in Salem weitgehend erarbeitet sein und würden sich, nach meinem Verständnis,  weitgehend mit einer Grundlagenerhebung des EEA`s im Bereich des Gebäudemanagements decken. Das wäre sicher auch eine gute Hilfe für den anstehenden Haushaltsplan. Wann kann der Gemeinderat also  mit einem ersten Bericht rechnen?

 

Hr. Härle verwies immer wieder auf fehlende Arbeits-Ressourcen in der Verwaltung. Man sei zudem ausgepowert nach dem Projekt Neue Mitte und müsse sich erst mal wieder neu aufstellen. Es brauche seine Zeit. Genau das hatten wir natürlich immer befürchtet und thematisiert, indem wir immer wieder vergeblich anmahnten, bei der Neuen Mitte etwas kleiner zu denken. Sowohl in finanzieller Hinsicht als auch aus Arbeitstechnischen Gründen. Denn uns war schon damals klar: Wir wollen nicht bis  an die Grenzen gehen - die Zukunft bringt uns neue und immens wichtige Aufgaben, denen sich die Kommunen dann zeitnah stellen müssen.


Petra Herter hatte darauf verwiesen, dass so ein Projekt, wie im Antrag gefordert, nur mit zusätzlicher Arbeitskraft zu machen sei. Da gebe ich ihr vollkommen recht. Auch ich sehe nicht, wie das momentan in unserer Verwaltung so nebenbei gestemmt werden könne. Muß aber auch gar nicht. In Frickingen haben sie eine zusätzliche Stelle geschaffen, die sich mit nachhaltiger Entwicklung beschäftigt. In Überlingen ebenso. Beide erhalten hohe Fördersätze für diese Stellen. Wir hatten schon mal in diese Richtung gedacht, mit dem Flächenmanager. 

Auch wenn Hr. Härle meint: Man soll nicht immer auf andere Kommunen schauen - ich finde, dass man das unbedingt  sollte, denn man kann sich ja auch mal positive Dinge abschauen.


In Ravensburg haben sie gerade die 1. Sitzung zum Klimakonsens hinter sich gebracht. Auch dieser Schritt war nicht so selbstverständlich und recht holprig in der Umsetzung.

Doch Hr. OB Rapp sagte in der Einführung:


"Ich möchte noch einmal in Erinnerung rufen, was ist der Hintergrund unserer heutigen Zusammenkunft. Jeder erinnert sich noch an unsere Arbeit in der Klimakommission, und am Ende stand der Klimakonsens. Mit verschiedenen Zielen aber auch mit Maßnahmen.

Und eine sehr wichtige Maßnahme war damals - und ich kann mich noch gut erinnern dass wir da viel drüber diskutiert haben -dass wir eine unabhängige Begleitung und auch natürlich Kontrolle brauchen in diesem Prozess. Wir haben lange darüber gesprochen: Wie könnte eine solche Kommission oder ein solcher Beirat aussehen. 

Wir hatten dann einen Konsens, dass wir gesagt haben: es müssen Spezialisten sein, Fachleute aus den verschiedenen Bereichen der Klimapolitik, des Klimaschutzes - sowohl Mobilität, Gebäude, Stadtentwicklung ….und es soll eben kein politischer Beirat sein, sondern ein Expertengremium das unabhängig ist - nicht weisungsabhängig von der Verwaltung

Wir haben uns auf den Weg gemacht und haben verschiedene Persönlichkeiten angesprochen und auch gewinnen können hier mitzumachen….. Experten aus verschiedenen Bereichen und auch Leute nicht nur aus Ravensburg, die diesen Prozess beraten und begleiten.

 

Uns war es wichtig dass sie nicht nur die Sachen sehen, wo wir denken, wir machen da schon ganz tolle Sachen,  sondern dass sie natürlich auch die Sachen sehen wo es Handlungsbedarf gibt und wo wir besser werden müssen. Und da haben wir jede Menge Stellen in unserer Stadt wo wir noch was zu tun haben….."

 

Wieso sollte das in Salem anders sein?  Daher muss in erster Linie nun eine Bestandsaufnahme kommen, die man als Grundlage weiterer Überlegungen heranziehen kann.

 

Ulrike Lenski verwies darauf, dass es ja auch darum gehe, uns möglichst gut für die Zukunft aufzustellen. Man bedenke nur die momentane  Steigerung der Heizkosten! 

 

Schließlich schlug Hr. BM Härle vor, als Kompromiß zunächst den Punkt 3.1 umzusetzen. Das wurde so angenommen.

Montag, 11. Oktober 2021

Vorbild-Projekt in Überlingen: Klimaneutral wird’s erst mit Bewohnern

 Südkurier hier

 VON HANSPETER WALTER UEBERLINGEN.REDAKLTION@SUEDKURIER.DE

Es sind oft kleine Dinge, die Menschen ärgern können, wenn sie alten Gewohnheiten zuwiderlaufen. Deshalb gilt es diese Probleme rechtzeitig zu erkennen. Sonst können auch bei ambitionierten Projekten Hindernisse auftreten. Denn man kann noch so viel perfekte Technik und moderne Materialien einsetzen: Ihre Wirkung kann schnell verpuffen oder zumindest gemindert werden, wenn die Menschen nicht mitspielen.

Ein profanes Beispiel wurde beim Tag der offenen Tür der Überlinger Baugenossenschaft im Stadtquartier 2050 immer wieder angesprochen – das gekippte Fenster. Doch dazu später mehr. Mit einem interdisziplinären Zusammenspiel von Architekten und Energiespezialisten, Bauphysikern und Sozialwissenschaftlern soll in Überlingen bis 2023/2024 ein klimaneutrales Wohngebiet mit rund 170 Wohnungen in 14 Gebäuden entstehen. Geschäftsführer Dieter Ressel hieß dazu neben vielen Fachleuten auch Bewohner und Bürger willkommen. Architekt Gerhard Metzger gab mit einer anschaulichen Präsentation einen kompakten Überblick über die verschiedenen Facetten des anspruchsvollen Vorhabens.

Einen der entscheidenden Aspekte auf dem Weg zur Klimaneutralität brachte beim abschließenden Podiumsgespräch Andreas Huther, der nebenamtliche Geschäftsführer der Baugenossenschaft und gleichzeitig Chef des Überlinger Unternehmens Puren, auf den Punkt. „40 Prozent unseres Energiebedarfs wenden wir im Moment für Heizungswärme auf“, sagte Huther: „Das macht rund ein Drittel des Kohlendioxidausstoßes aus.

An verschiedenen Hebeln soll nun angesetzt werden, um insbesondere den Bedarf an fossiler Energie zu mindern – bei der Produktion von Wärme und beim Verbrauch. Womit wir bei dem bereits erwähnten gekippten Fenster wären. Das gibt es in den neuen 14 Gebäuden der Baugenossenschaft nämlich nicht, da über lange Zeit gekippte Fenster sehr viel an Wärmeenergie verloren geht.

Für frische Luft gibt es eine kontrollierte Be- und Entlüftung mit einer wirkungsvollen Wärmerückgewinnung. Wer allerdings einmal Stoßlüften oder die Vögel zwitschern hören will, kann sein Fenster vollständig öffnen. „Wir haben keine Kippfenster eingebaut, damit erst gar niemand in die Verlegenheit kommt“, erklärt Architekt Gerhard Metzger.Dass dies den Bewohnern auch erklärt wird, ist ein wichtiges Anliegen für Sozialwissenschaftlerin Karin Schakib-Ekbatan und ihre Kollegin Annette Roser vom Institute for Resource Efficiency and Energy Strategies (IREES) in Karlsruhe. Sie suchen nicht nur das Gespräch mit den neuen Bewohnern, sondern hatten bereits vor dem Spatenstich Kontakt zu den Anwohnern aufgenommen.

„Rebound-Effekt“ nennt Karin Schakib-Ekbatan vom IREES ein häufig beobachtetes psychologische Phänomen, das geeignet ist, die eigentliche Absicht eines Konzepts zu konterkarieren. Als Beispiel nennt sie LED-Lampen oder umweltfreundliche Antriebe. Wer wisse, dass der Verbrauch hier geringer sei, neige oft dazu, mehr davon zu verwenden oder sie länger einzusetzen. Was den Erfolg mindere. „Deshalb sprechen wir hier statt von Effizienz lieber von Suffizienz“, sagte sie: „Von dem, was mir ausreicht.

Zur eigenen Kontrolle für die Bewohner hat das Fraunhofer-Institut eine spezielle Quartiers-App entwickelt, die nicht nur den individuellen Energieverbrauch darstellt, sondern auch für die Buchung eines Car-Sharing-E-Mobils genutzt werden kann. Aber auch hier kommt es auf die Praktikabilität an. Die interaktive Technik, die hinter der Optimierung gewisser Nutzungen steht, könne durchaus komplex sein, betonte Annette Roser, doch die Bedienung müsse einfach und praktikabel sein.

Neben den Bauphysikern des Fraunhofer-Instituts Karlsruhe war auch Andreas Bachmaier mit dabei, der Energie-Experte des Partners Stadtwerk am See. Er begleitete Führungen zur bestehenden Heizzentrale, von der das gesamte Quartier versorgt wird. Hier ist der andere Hebel zu einer klimafreundlicheren Wärmeerzeugung. Bachmaier erklärte vor Ort, wo die geplante Anlage für Solarthermie entstehen wird.

Nachhaltigkeit ist auch an anderer Stelle wichtig. „Unsere Materialien müssen zu 100 Prozent recyclebar sein“, sagte Andreas Huther, der mit Puren unter anderem für die Entwicklung einer raumsparenden Wärmedämmung verantwortlich ist, „egal, wie lange die Lebensdauer der Gebäude ist“. Energieeffiziente Gebäude nützten allerdings gar nichts, „wenn wir die Menschen nicht mitnehmen“. Auch sie müssten im Alltag ihr Verhalten ändern, betonte Huther. Dies sei auch ein Grund, weshalb es sozialwissenschaftliche Begleitung und Forschung dazu gebe.

Kritik kam in der Diskussion von Zuhörer Christian Kuhn, der die Terminologie kritisierte. „Verwenden Sie doch nicht ständig den Begriff klimaneutral, Sie werden doch nie ganz klimaneutral sein können“, sagte er und verwies auf die Notwendigkeit von ergänzenden Gaskesseln in manchen Wintermonaten.

Die Experten wollten diesen Vorwurf nicht im Raum stehen lassen und machten sogleich eine Gesamtrechnung auf. Zum einen könne hier auch Biogas eingesetzt werden, zum anderen produziere das Quartier über das Jahr gerechnet mit seinen Fotovoltaik-Anlagen mehr Strom als hier gebraucht werde. Der Begriff habe durchaus seine Berechtigung.

Die Landeshauptstadt Stuttgart und die Große Kreisstadt Überlingen arbeiten zusammen mit elf weiteren Partnern am Leuchtturmprojekt „Stadtquartier 2050“. Dabei werden zwei städtische Wohnviertel sozialverträglich klimaneutral umgebaut und die Konzepte auf andere Stadtviertel übertragen. Das Vorhaben ist eines von sechs Gewinnern eines bundesweiten Förderwettbewerbs. Zusätzlich zu den Demonstrationsquartieren arbeiten die Projektpartner an technologischen Fragestellungen sowie an sozialen Themen. Außerdem entwickeln sie vier verschiedene Tools zur Anwendung in Stadtquartieren. Das Leuchtturmprojekt wird von zwei Bundesministerien mit insgesamt 13,5 Millionen Euro gefördert.

Donnerstag, 7. Oktober 2021

Gemeinde Frickingen geht Nachhaltigkeit jetzt mit extra Stelle an

 Südkurier hier

Die Gemeinde Frickingen erhält professionelle Unterstützung auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit. Sie hat jetzt den Zuschlag für eine Koordinatorenstelle für kommunale Entwicklungspolitik bekommen, die vom Bund finanziert wird. In der jüngsten Gemeinderatssitzung stellte Birgit Bergmüller, Leiterin Kultur und Tourismus, das Projekt vor. Die Vollzeit-Stelle wird zum 1. Januar 2022 ausgeschrieben und ist auf zwei Jahre befristet. Gesucht wird ein Koordinator, der Nachhaltige Entwicklung, Internationale Beziehungen, Politikwissenschaft oder Soziologie studiert hat.

Ziel des Projekts ist es, ein Konzept für die Entwicklung und Energiepolitik Frickingens zu erarbeiten, das sich an der Agenda 2030 ausrichtet. Die Kommune soll dabei unterstützt werden, die Nachhaltigkeitsziele umzusetzen, die von den Vereinten Nationen im Rahmen der Agenda 2030 aufgestellt wurden.

Diese globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung umfassen sowohl ökologische als auch ökonomische und soziale Belange. Wie Birgit Bergmüller erklärte, sei es Teil des Projektes, mit nachhaltigen Netzwerkpartnern regionaler Organisationen und Firmen zusammenzuarbeiten, um den Nachhaltigkeitsgedanken möglichst weit zu streuen. Gefordert ist ferner der Aufbau einer Partnerschaft und Zusammenarbeit mit einer Kommune des globalen Südens.

Die vorhandenen energiepolitischen Strukturen innerhalb Frickingens sollen in Kooperation mit dem Energieteam genutzt und die Bevölkerung eingebunden werden. Durch Aktionen wolle man bei Kindern und Jugendlichen ein entsprechendes Bewusstsein schaffen. Wie Birgit Bergmüller betonte, erkenne das Bundesministerium mit der Unterstützung über die Koordinatorenstelle klar die bisher umgesetzten Maßnahmen der Energiegemeinde an.

Beantragt bei Engagement Global, der zentralen Anlaufstelle, um entwicklungspolitisches Engagement zu unterstützen, wird das zwei Jahre dauernde Projekt vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert. Bürgermeister Jürgen Stukle führte aus, es sei ein Zuschuss von bis zu 153 000 Euro bewilligt worden. Der Eigenanteil der Gemeinde belaufe sich auf rund 17 000 Euro, verteilt auf zwei Haushaltsjahre.