Mittwoch, 24. November 2021

Fragen zum Funkbedarfsplan

Ralf Gagliardi hat nochmal bei der Verwaltung nachgefragt:

Wie ist eure Auswahl für das Büro "EMF-Institut"in Köln erfolgt?

Wie im Gemeinderat bereits dargestellt, wurden 2 Fachbüros angefragt, wobei eines der Büros wegen Auslastung abgesagt hatte.

Wer ist dort Ansprechperson für Salem?

Damit das Büro sein Gutachten unbeeinflusst und neutral erstellen kann, ist eine direkte Kontaktaufnahme durch Gemeinderäte oder Bürgerinitiativen nicht vorgesehen.

Gerne würden wir wissen, wie genau der Auftrag an das Büro formuliert wurde und was dieser beinhaltet. Wie wir schon gesagt hatten (und Herr Eglauer hatte dies ebenfalls hervorgehoben), hat diese Frage für das mögliche Ergebnis eine hohe Relevanz.

Der Auftrag beinhaltet folgende Arbeitsschritte:

1.    Mobilfunkversorgungsanalyse für die Gemeinde Salem

Analyse der vorhandenen Mobilfunkversorgung und der topogra­phischen Situation sowie Erstellung einer Immissionsberechnung für die vorhandenen Sendeanlagen für das Gesamtgebiet der Gemeinde Salem:

·         Erfassung der topographischen Daten des Untersuchungsgebie­tes

·         Erfassung der Sendeanlagen aller Mobilfunkbasisstation sowie ggf. sonstiger Sendeanlagen (BOS-Funkdienste, Rundfunk-und Fernsehsender usw.) im Gemeindegebiet sowie in der immissionstechnisch relevanten Umgebung.

·         Durchführung der Immissionsberechnungen

·         Darstellung der Ergebnisse in Karten, in denen die Immissionen durch unterschiedliche Einfärbung dargestellt werden

·         Besprechung und Interpretation der Berechnungsergebnisse, einschl. Identifikation von Standorten, die besonders hohe Im­missionen in ihrer Umgebung verursachen

·         Funktechnische Versorgungsanalyse des Untersuchungsgebie­tes – auch als Grundlage für die Erarbeitung der Empfehlungen zum zukünftigen Aus- oder Umbau der Mobilfunknetze.

 

2.         Standortsuche für Mobilfunksendeanlagen:

Erarbeitung von Standortempfehlungen für neu zu errichtende oder zu verlegende Mobilfunkbasisstationen zur Versorgung des Gebiets der Gemeinde Salem. Die Analyse beinhaltet typischerweise die Untersuchung von Standortbereichen, die über die betreiberseitig spezifizierten Suchkreise hinausgehen.

Für die Standortsuche wird die Versorgungssituation in den unterschiedlichen Funknetzen (GSM, UMTS, LTTE, 5G-Netze usw.) der betreffenden Netzbetreiber analysiert. Darauf aufbauend werden Standortvorschläge entwickelt, die sich einerseits in die technischen Erfordernisse der vorhandenen Netze einfügen und die Versorgung der Ortslagen sowie der Verkehrswege sicherstellen und andererseits eine möglichst geringe Strahlungsexposition der Bevölkerung verursachen.

Für die entwickelten Standortvorschläge erfolgt anschließend:

·         Durchführung einer Imissionsberechnung

·         Darstellung der zu erwartenden Immissionen in Karten für repräsentative Immissionspunkthöhen

·         Interpretation und Besprechung der Berechnungsergebnisse

Im abschließenden Gutachten erfolgt eine Interpretation und Besprechung der erarbeiteten Ergebnisse und es werden Empfehlungen zum weiteren Vorgehen entwickelt.

 

3.         Immissionsmessungen

Messung der Immissionen hochfrequenter elektromagnetischer Strahlung an Messpunkten innerhalb und außerhalb von Gebäuden.

Die Messungen erfolgen frequenzselektiv mit Spektrumanalysator und Rundstrahl- bzw. Rundsichtantennen an repräsentativen Standorten, die mit dem Auftraggeber abgestimmt werden.

Die Messungen dienen zur Feststellung der derzeitigen Immission-und Versorgungssituation.

Auswertung der Messung mit

·         Darstellung der Messergebnisse in Tabellen

·         Aufschlüsselung nach Netzbetreibern und Funksystemen

·         Abschätzung der Immissionssituation bei Vollauslastung der Sendeanlagen

·         Gutachtenerstellung mit Fotodokumentation der Messpunkte

·         Bewertung nach den gesetzlichen Grenzwerten in Deutschland und im europäischen Ausland sowie Vorsorgewertempfehlungen

Lärmaktionsplan

Im Gemeinderat wurde der Lärmaktionsplan beraten.

Der Gemeinderat hatte den gesetzlich vorgeschriebenen Planungsauftrag ausgeweitet und dem Planer zusätzliche Bestandsaufnahmen in Auftrag gegeben. Das war auf jeden Fall sinnvoll, wie die Auswertung zeigte. Dadurch wurden folgende Lärmminderungsmaßnahmen herausgearbeitet und einstimmig durch den Gemeinderat beschlossen und können im nächsten Schritt  zu den Trägern öffentlicher Belange gehen.


 

Zusätzlich aufgenommen wurde die Einstufung der Klosterweiher als "ruhiges Gebiet".Das soll vor allem der Prävention dienen, um zukünftige Lärmbelastungen zu minimieren.
Die endgültige Beschlussfassung wird im Frühjahr 2022 erwartet.

 Südkurier hier

Wandern durch die Wipfel: Am Affenberg soll ein Treewalk entstehen

Der Affenberg möchte seinen Gästen eine neue Attraktion anbieten. In luftigen Höhen sollen die Besucher auf einem Treewalk von Baum zu Baum gelangen. Der Gemeinderatsausschuss für Umwelt und Technik genehmigte das Vorhaben einstimmig.
 
So sieht`s bald aus beim Affenberg. Wir fanden dass das Konzept stimmig ist und freuen uns auf die Erweiterung.
 

Update: Impfen in Salem?

Update: Gestern gab die Verwaltung im Rahmen der Gemeinderatssitzung bekannt, dass es nun doch gelungen sei, gleich 2 Mobile Impf-Teams nach Salem zu holen.
Am Donnerstag den 2.12.21 werden sie im Prinz Max in Neufrach ein offenes Impfangebot schaffen.

 

Henriette Fiedler von den Freien Wählern hat nachgefragt, wie es denn mit dem Impfen in Salem bestellt ist.
"
Es ist unserer Gemeinderatsfraktion nochmal ein Anliegen, Sie zu ersuchen, auch in Salem in nächster Zeit- vor Weihnachten! ein offenes Impfangebot zu schaffen. Wir erklären uns gerne bereit, im Rahmen unserer Möglichkeiten bei der Organisation/Durchführung zu helfen.
Die in unseren Augen einfachste Alternative wäre, sobald das mobile Impfteam in Wespach ist (wird ja wohl angemeldet sein...) eine Möglichkeit anschliessend im Prinz Max zu ermöglichen....."

Hier ist die Antwort der Verwaltung:

Die Bewohner in Wespach werden von den Hausärzten geimpft. Auch für Wespach konnte zeitnah kein MIT zur Verfügung gestellt werden, obwohl natürlich eine entsprechende Anfrage gestellt wurde.

Auch die Gemeinde hat eine MIT angefordert, aber die beiden bisher vorhandenen Teams reichen für 3 Landkreise leider nicht aus, zumal vorrangig Pflegeeinrichtungen bedient werden. Deshalb ist aktuell auch nur in 6 der 23 Kommunen des Landkreises eine MIT terminiert. Mit der angekündigten Aufstockung der MITs hoffen wir auf einen Termin in Salem, das können wir aber noch nicht abschätzen.

Eine deutliche zeitnahere Lösung für die Salemer Bürger ist die Einrichtung der 3 Impfstandorte, die der Landkreis für alle Kommunen des Landkreises in Tettnang, Überlingen und Friedrichshafen einrichtet. Mit dem Landratsamt habe ich gerade eben nochmal gesprochen, die Vorbereitungen sind sehr weit gediehen und vermutlich morgen kann das Angebot veröffentlicht werden und dann am Montag schon an den Start gehen. Es wird auf absehbare Zeit ein regelmäßiges Impfangebot an bestimmten Tagen an den 3 Standorten geben.

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass wir uns selbstverständlich in der Lage sehen, den organisatorischen Rahmen für eine Impfeinrichtung zu schaffen und den Verwaltungsablauf zu übernehmen. Was wir nicht leisten können, ist der medizinische Aspekt. Und dabei geht es nicht nur um Personal, sondern vor allem auch um die Impfstoffversorgung, das landesweite Erfassungsprogramm, die Abrechnung usw. Dies wird über die Kassenärztliche Vereinigung organisiert. Dieses Thema ist auch nicht über ehrenamtliches Engagement o.ä. zu lösen.

Dass wir Organisation „können“ und uns auch nicht vor dem Aufwand scheuen, hat die von Ihnen zitierte Teststation gezeigt, die wir wirklich innerhalb weniger Tage eingerichtet haben. Das waren aber eben alles Aufgaben, die wir gemeinsam mit dem Partner DRK umsetzen konnten, hier stand nicht der medizinische Aspekt im Vordergrund.

Wir werden bei dem Thema „am Ball“ bleiben und Sie informieren, sobald es Neuigkeiten gibt.

Sabine Stark 



Homepage Landratsamt

Regelmäßige Impfstützpunkte

  • Friedrichshafen: freitags und samstags, 10:00 bis 17:00 Uhr, Rathaus-Rückseite Eugen-Bolz-Str. 10
  • Überlingen: sonntags und montags, 10:00 bis 17:00 Uhr, Sporthalle Obertorstraße 16
    dienstags bis freitags, 16:00 bis 20:00 Uhr (mit Terminvergabe: www.helio-gesundheit.de), Helios Spital Härlenweg 1
  • Tettnang: dienstags und mittwochs, 10:00 bis 17:00 Uhr, Autofabrik Dr.-Klein-Str. 9
 

Samstag, 20. November 2021

"Gemeinderat stellt Bauantrag für Funkmast in Beuren zurück"

Südkurier VON MIRIAM ALTMANN UEBERLINGEN.REDAKTION@SUEDKURIER.DE hier

Die Deutsche Funkturm GmbH plant die Errichtung eines 30 Meter hohen Stahlgittermasts in Beuren. Der Gemeinderat will darüber erst nach Fertigstellung des Funkbedarfsplans entscheiden. Die DFMG weist indessen darauf hin, dass für sie keine Verpflichtung aus dem Plan abzuleiten sei.
 
 
L. Köster /CDU  sprach als Erste und beantragte einen Aufschub der Entscheidung bis das beschlossene Standortkonzept vorliegt.
 
A. Eglauer/SPD betonte daraufhin, dass er dem Bauantrag zustimmen werde, da kein sachlicher Grund vorhanden sei ihn abzulehnen. Er rechne nicht mit einer Veränderung durch den Plan und gesundheitliche Auswirkungen gäbe es nicht, das sei bewiesen. Das Anliegen sei die "Mindestabdeckung sicherzustellen" und er glaubt dass es dazu mehr Masten bräuchte und nicht weniger.
 
BM Härle erklärte, dass das Standortkonzept im Frühjahr vorliege, in ca. einem halben Jahr. Das Fachbüro mache die fachliche Bewertung ohne Zutun der Gemeinde-Verwaltung.
Er wies darauf hin dass seitens der Mobilfunkbetreiber lange versucht worden war ein Grundstück für einen Masten zu finden, nun haben sie endlich eines gefunden, das zur Verfügung stehe.
 
DIe GOL war geschlossen der Meinung,dass der Zeitrahmen zur Vorlage des Standortkonzeptes durchaus ein Abwarten rechtfertigt. Die Gemeinde hat zwar nur sehr minimales Mitspracherecht in dieser Angelegenheit, doch diese Möglichkeit sollte sie dann auch nutzen im Sinne der Bürger.
 
R. Gagliardi/GOL betonte, dass es nicht darum gehe, möglichst wenige Masten aufzustellen (wie von Hr. Eglauer dargestellt), sondern um eine wirksame Minimierung der Gesundheitsrisiken für alle Bürger. Und Martin Möller ergänzte, dass eine entsprechende konkrete Überprüfung für uns Gemeinderäte wichtig sei, um die Möglichkeit der Vorsorge auszuschöpfen.


Ulrike Lenski versuchte den Blick auf den bestehenden Zusammenhang zwischen Mobilfunk und Breitbandversorgung zu lenken. Denn umso besser das Breitbandversorgungsnetz für die Bewohner ausgebaut ist, umso weniger müssen sich diese einer zusätzlichen allgemeinen 5G-Bestrahlung aussetzen lassen.Sie verwies noch einmal auf den unzureichenden Ansatz in unserem Haushaltsplan, der momentan lediglich die Verlegung von Leerrohren beinhaltet, aber keinen sonstigen Ansatz zum weiteren Ausbau.

Mittwoch, 17. November 2021

Bürger tasten sich an Maßnahmen für hohe Lebensqualität im Alter heran

Das hört sich spannend an, mit Sicherheit wird man noch mehr davon hören!
Schön dass der Bodenseekreis so etwas initiiert

Südkurier  hier

Pilotprojekt des Kreises

50 Bürger kamen zu einem weiteren Termin des Pilotprojekts Pflegekonferenz des Bodenseekreises in die Frickinger Festhalle. In Gruppen wurden Inhalte für ein gutes Leben im Alter ausgearbeitet. Drei Teilnehmer fungieren dabei als Ansprechpartner.

 

Donnerstag, 11. November 2021

Nach zwei Jahren Arbeit kann der Markgräflich Badische Gutsbetrieb 2022 die erste Bioernte einfahren

 Südkurier hier

Zwei Jahre lang hat der Markgräflich Badische Gutsbetrieb in Salem seine Bewirtschaftung umgestellt. Im Sommer 2021 wurde er als Naturland-Ökobetrieb zertifiziert. 2022 kann auf den 750 Hektar Ackerfläche die erste Bioernte eingebracht werden.

Mittwoch, 10. November 2021

 Südkurier hier

Dürfen sich auswärtige Bürgermeister in die Debatte um die Südumfahrung Markdorf einmischen? UWG und SPD kritisieren Rathauschefs von Bermatingen und Salem

Im Gemeinderat kochten am Dienstagabend die Emotionen hoch. Der Anlass: Die beiden Kreisräte und Bürgermeister von Bermatingen und Salem, Martin Rupp und Manfred Härle, hatten im Schulterschluss mit der Interessengemeinschaft pro Südumfahrung für ein Ja der Markdorfer zum Bau der Südumfahrung geworben. Die Markdorfer dürfen beim Bürgerentscheid am Sonntag abstimmen.
 
 
mehr dazu hier

Dienstag, 9. November 2021

Markthalle für regionale Erzeuger

Südkurier  hier

Ein Impuls zur Entwicklung der Neuen Mitte in Salem soll sie sein: Die geplante Markthalle des Bauunternehmens Bernhard Straßer will an zentraler Stelle die Waren aus der Region vermarkten. „Durch die Corona-Pandemie ist das Bewusstsein für regionale Lebensmittel gestiegen“, sagt Sonja Straßer, die für das Projekt verantwortlich ist. „Wir haben hier in Salem so viele kleine Erzeuger und wir wollen das gern unter ein Dach bringen“, erklärt die Betriebswirtin der Fachrichtung Bau und Immobilien.

Bereits im Jahr 2017 habe die Firma das Grundstück am Ortseingang von Mimmenhausen erworben, wo sich Schlossseeallee und Bodenseestraße kreuzen. Ergänzend dazu hätten sie der Gemeinde das Grundstück hinter dem seit Jahren leerstehenden Verkaufsgebäude abgekauft, berichtet Sonja Straßer. Der künftige Standort der Markthalle entspreche in etwa dem des alten Gebäudes, doch es seien noch eine große rückwärtige Terrasse und ein Nebengebäude geplant.

Bei der Architektur legt das Bauunternehmen Wert auf helle, offene Räume, die ein Markthallen-Gefühl ermöglichen. Dabei setzen die Verantwortlichen auf Baustoffe wie Holz und Glas. „Ziel ist, dass das Gebäude klimaneutral ist“, unterstreicht Firmeneigentümer Bernhard Straßer. Es entspreche ihrer Philosophie, die regionalen Produzenten zu unterstützen und den Klimaschutz voranzutreiben. „Wir haben den Ehrgeiz, etwas Besonderes zu machen.“

Bernhard Straßer betont, dem Wochenmarkt auf dem Rathausvorplatz keine Konkurrenz machen zu wollen. Zum einen seien die Standbetreiber eingeladen, in der Markthalle zu verkaufen, zum anderen könne er sich auch vorstellen, dass die Markthalle die drei Stunden am Freitagnachmittag geschlossen habe. Für den Abend hat der Firmeneigentümer andere Pläne: „Ich mag Live-Musik“, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht, „es wäre schön, wenn wir in der Richtung ein Angebot machen könnten.“ So könnten die Menschen nach Feierabend locker und unkompliziert zusammenkommen.


Geht's auch schneller? Waiblingen 2035 klimaneutral

Wenn ich das lese, dann kommt mir doch so Einiges ganz schön bekannt vor!
Was folgt daraus für uns? Sich nicht entmutigen lassen, weiter machen! Wir müssen dicke Bretter bohren, werden manchmal verlieren,  aber unser Engagement lohnt sich am Ende dann doch!


Süddeutsche Zeitung hier
 Deshalb hat Zeiner eine Bürgerinitiative gegründet: "Waiblingen klimaneutral"

Sabine Zeiner macht mehr als nur Flyer verteilen. Gemeinsam mit ihren Mitstreitern hat sie im Sommer über 1000 Unterschriften für einen Einwohnerantrag gesammelt. Der Waiblinger Stadtrat musste deshalb im Oktober darüber abstimmen, ob die Kommune bis 2035 klimaneutral werden soll. Die Idee für die Initiative hatte Zeiner aus der Zeitung. Dort las sie vom erfolgreichen Einwohnerantrag des Klimabündnisses in der Nachbargemeinde Schorndorf - und beschloss kurzerhand die Gründung eines solchen Projekts für Waiblingen.

Rund 40 Waiblinger und Waiblingerinnen sind mittlerweile dabei. Was für Menschen sind das? "Eine Initiative vereint unterschiedliche Leute aus allen Altersgruppen, Berufsgruppen, politischen Meinungen und Geschlechtern", sagt Zeiner. So engagieren sich in Waiblingen Studierende und Rentner, Zivildienstleistende und Firmenchefs. "Auf ein Ziel geeint kann man dann auch sehr glaubwürdig eine breite Bevölkerungsschicht vertreten." Klimaschutz sei nicht nur etwas für junge Menschen. Eine alte Frau habe sie einmal gefragt, ob es denn nicht auch schneller ginge als 2035. "Schön wär's! Das ist jetzt schon eine extrem anspruchsvolle Zielsetzung", gesteht Zeiner mit leicht erröteten Backen.

Auch Streuobstwiesen können zur Klimaneutralität beitragen

..Die frühzeitig pensionierte Diplomingenieurin besitzt einige Streuobstbäume, die sie selbst bewirtschaftet. Für sie sind auch Äpfel ein Symbol für Klimaneutralität: "Es ist absurd, wie viel Zeug aus dem Ausland hergekarrt wird. Statt Apfelsaft aus China könnte die Stadt die Streuobstwiesen fördern."

Halt im Teilort Beinstein. Hier zeigt Zeiner, dass in Waiblingen schon einiges gut läuft. Ein Wohnviertel wurde auf das ehemalige Firmengelände der Mineralbrunnen AG gebaut. Die öde Brachfläche wurde zu Wohnraum. Zeiner zeigt auf die mit Solarzellen bepflasterten Dächer. Bereits 2006 führte die Stadt die Solaranlagenpflicht für Neubauten ein - als erste Gemeinde in Deutschland. Klimaneutrales Bauen und Sanieren ist ein wichtiger Punkt für die Mitglieder der Initiative.

Denn nach der erfolgreichen Unterschriftensammlung haben die Mitglieder nur ein erstes Ziel erreicht. Nun, nachdem der Antrag der Initiative befürwortet wurde, steht die Stadt vor der Aufgabe, die Klimaneutralität auch zu erreichen. "Waiblingen klimaneutral" hat dafür zehn Themenfelder erarbeitet, zehn Stellschrauben für die nächsten Jahre. "Wir wollen der Stadt nicht vorschreiben, wie sie das zu machen hat. Das wäre arrogant", sagt Zeiner. Die Maßnahmen in ihrem "Klimastadtplan" sollen Vorschläge sein. Mit dabei: Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien, ressourcenschonendes Wirtschaften, mehr öffentliche Verkehrsmittel und CO2-sparendes Bauen.

Der Vorteil einer Bürgerinitiative: Überparteilichkeit

Warum aber wählt man für ein solches Ziel überhaupt die Form der Bürgerinitiative? Politikwissenschaftler Gross sieht einen Vorteil in der Überparteilichkeit solcher Bündnisse. Lokale Probleme könnten dabei losgelöst von Parteiansichten betrachtet werden. Auch bei "Waiblingen klimaneutral" sind Mitglieder unterschiedlichster Parteien vertreten. "Der Klimawandel", betont Sabine Zeiner, "beschäftigt fast alle Parteien." Außerdem, sagt Gross, macht eine Initiative Interessen sichtbar, die im politischen Prozess eher untergehen. "Man bekommt mehr Aufmerksamkeit als mit einem Leserbrief oder einer direkten Beschwerde an Stadtratsabgeordnete." Zudem seien die Hierarchien flacher als in Parteien, was die Mitarbeit erleichtere.

Vor Jahren protestierten die Waiblinger gegen ein Einkaufszentrum - ohne Erfolg

......Die Waiblinger scheiterten, der Wille zu mehr demokratischer Teilhabe aber blieb. "Es war wie eine Geburtsstunde der Bürgerbeteiligung in unserer Stadt, das hat Wellen in die Region geschlagen", sagt Zilian, "viele Bürger anderer Gemeinden forderten mehr Mitsprache." ......

Gelingt "Waiblingen klimaneutral", könnte sich am Alten Postplatz allerdings wieder viel verändern. Auf den bis zu sieben parallel verlaufenden Fahr- und Abbiegespuren sollte es laut Sabine Zeiner bald mehr Platz für Fahrräder und Fußgänger geben. Denn die Initiative fordert auch eine sozialverträgliche und ökologische Stadtplanung. Waiblingen soll eine Stadt der kurzen Wege werden. Mehr Flächen zur Erholung, weniger Versiegelung, weniger Platz, der für geparkte Autos verloren geht. Mit einem besser ausgebauten ÖPNV-Netz wären Autos - auch das von Zeiner - und Parkplätze in der Innenstadt bestenfalls überflüssig.

Protest zieht mehr Menschen an

Das gefällt natürlich nicht allen Waiblingern. Zwar berichten Zeiner und ihre Mitstreiter bisher von wenig Gegenwind, doch das kann sich schnell ändern: "Vermutlich gibt es dann Protest, wenn die ersten konkreten Maßnahmen auf den Tisch kommen." Klar, Klimaneutralität finden viele gut - Windkraft- und Biogasanlagen in der Nachbarschaft aber schon nicht mehr so viele. Das könnte neue Bündnisse auf den Plan rufen, "Verhinderungsinitiativen", wie Martin Gross sie nennt. Initiativen, die gegen bestimmte Vorhaben sind, bekommen laut Gross deutlich mehr Aufmerksamkeit als solche, die sich nicht gegen, sondern für ein bestimmtes Ziel einsetzen. Ein prominentes Beispiel dafür sind die Proteste gegen Stuttgart 21, den Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Die Verhinderung von S21 gelang 2011 zwar nicht, doch es habe die Bürger in ihrem Engagement wachgerüttelt, sagt Zeiner. In der Region und weit darüber hinaus.

Das will auch die Waiblinger Initiative schaffen. In den sozialen Medien machen die Mitglieder auf sich aufmerksam, vernetzen sich mit anderen Initiativen. Aus vielen lokalen Bewegungen wird eine große, die eine übergeordnete Idee verfolgt. Darin, erklärt Gross, liege ein großer Unterschied zu den Bürgerbewegungen der 1970er- und 80er-Jahre. "Dass sich die Initiativen so extrem untereinander und mit Experten austauschen, das gab es früher nicht so."

Das Ziel und der mit Experten entwickelte "Klimastadtplan" des Bürgerbündnisses überzeugten schließlich auch den Gemeinderat: Die Beschlussvorlage für den Antrag wurde am 21. Oktober einstimmig angenommen. Für Zeiner ist das "unglaublich". Natürlich, könnten die Bürger jetzt sagen, liegt die Verantwortung nach dem Beschluss ganz bei der Stadt. Aber die Initiative wolle weiterhin sichtbar sein, verspricht Zeiner. "Wir wollen zeigen, dass die Bürger dieses schwere Päckle bis zum Ende mittragen wollen." Institutionalisiert wird das Engagement in einem neuen Ausschuss, der aus Mitgliedern des Gemeinderats und aus Bürgerinnen und Bürgern bestehen soll. Also weiterhin Veranstaltungen, Austausch mit Experten, enger Kontakt zur Politik und Wirtschaft. Das nächste Ziel: In den kommenden anderthalb Jahren sollen die konkreten Maßnahmen, also der offizielle "Klimastadtplan" ausgearbeitet und beschlossen sein.

"Waiblingen klimaneutral" ist mittlerweile Teil der deutschlandweiten Initiative "German Zero". Immer mehr Gemeinden schließen sich dem Bündnis an, fordern das Klimaziel bis 2035 und erarbeiten Lösungen. Mehr als 50 solcher Klimaentscheide wurden laut "German Zero" seit 2020 gestartet. Allein im Rems-Murr-Kreis, der Region um Waiblingen, gibt es mittlerweile fünf Bündnisse. "Wenn immer mehr Kommunen das umsetzen, gibt es einen Dominoeffekt", hofft Zeiner. Sie steht auf der Abbiegespur, kurz vor ihrem Haus. "Dann kann es unsere Generation vielleicht noch richten", sagt sie und fügt in Schwäbisch hinzu: "Schließlich haben wir's in den besten Jahren versaubeutelt."

Wir erleben eine Zeit des Wandels. Wie steht es um die Zukunft des Landes? Welche innovativen Ideen gibt es? Das ist das Thema der großen SZ-Schwerpunkts "Zukunft Deutschland". Alle Beiträge sowie weitere Analysen und Reportagen finden Sie auf dieser Seite.