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Sonntag, 5. Mai 2024

Neubau löst das Problem nicht: Tauschen, teilen, aufstocken: So könnte die Wohnungsnot bekämpft werden

RND hier  Sebastian Hoff,  04.05.2024

Deutschlandweit fehlt Wohnraum - das ist nichts Neues. Verschiedene Ideen und Initiativen können dazu beitragen, die große Nachfrage nach Wohnraum zu befriedigen. Neubau ist dabei allerdings nur selten das Mittel der Wahl.

Um der Wohnungsnot zu begegnen, wird meist auf Neubau gesetzt. Doch einige Expertinnen und Experten sind skeptisch: „Damit allein werden wir die Probleme kaum lösen können“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut. Seiner Einschätzung nach könnten bis zu 2,7 Millionen Wohnungen geschaffen werden, indem vor allem vorhandene Mehrfamilienhäuser um einige Etagen aufgestockt werden. Das biete sich oftmals auch auf Supermärkten sowie Büro- und Verwaltungsgebäuden an, so Günther. Davon stehen zudem viele leer und könnten fürs Wohnen umgenutzt werden.

Die Initiative Architects for Future beruft sich auf verschiedene Studien, die sogar ein Potenzial von 4,3 Millionen neue Wohnungen im Bestand erkennen. Allerdings scheiterten Vorhaben, dort Wohnraum zu schaffen, in der Praxis häufig an bauordnungsrechtlichen Vorgaben wie Schall- und Brandschutz und fehlenden Stellplätzen für Autos, sagt Architektin Ulla Basquè. „Es bedarf hier des Willens und der gesetzgeberischen Umsetzung, dies auch tun zu können“, fordert sie deshalb.

Dienstag, 7. Februar 2023

"Wir haben Wohnen kulturell falsch eingeübt"

Nicht nur im Landkreis Dachau, das gilt überall! Auch bei uns stehen Häuser leer, meist alte Landwirtschaftsgebäude. Schade, aber nach jahrelangem Leerstand sind viele nicht zu retten. Und auch bei uns gibt es die erwähnten "Witwenstraßen", Straßen in denen in jedem Haus nur noch 1 oder 2 Personen wohnen. Auch bei uns gibt es Menschen die auf 200 qm alleine wohnen, meist hat es sich halt so ergeben.

Deshalb hatte die GOL schon vor einiger Zeit einen Flächenmanager beantragt - jemanden, der das Thema im Auge hat, einen "Kümmerer" wie das unten genannt wird.
Im Artikel heißt es auch: "Die Kommune wird sich entscheiden müssen, ist sie nur Dienstleister oder übernimmt sie eine planerische Aufgabe, im Sinne von Lebensqualität." Dasselbe könnte man auch beim Thema Wärmeplanung fragen. Wie will sich die Kommune aufstellen?

hier  in der Süddeutschen Zeitung 6.2.2023
Interview von Alexandra Vettori, Dachau

Studie zum Wohnungsmangel

Elisabeth Wacker will herausfinden, warum es im Landkreis Dachau so viel Leerstand gibt. Die Professorin für Diversitätssoziologie an der TU München schätzt, dass 2000 Wohnungen keinen Mieter haben - teils aus überraschenden Gründen.

...Erste Ergebnisse zeigen: Es steht mehr leer als gedacht. Im SZ-Interview erklärt Wacker die Hintergründe.

SZ: Diversitätssoziologie. Worum geht es da? Und wieso wird das an der TUM gelehrt?

Elisabeth Wacker: Diversitätssoziologie befasst sich mit Vielfalt und Verschiedenheit in der Gesellschaft - und wie man damit konstruktiv umgehen kann. Das ist auch in einer Technischen Universität eine wichtige Frage. Denn es ist auch Ziel und Aufgabe, sich generell mit Technik in der Gesellschaft wissenschaftlich zu befassen.

Wie in der Unternehmenspolitik geht es auch bei gesellschaftlichen Entwicklungen und deren Beobachtung und Einordnung um den Dreiklang D-I-E: Diversität, Equity, Inklusion. Also darum, Stärke aus der Vielfalt der Menschen zu gewinnen, Chancengerechtigkeit herzustellen und Inklusivität anzustreben, Lebensqualität durch Teilhabe. Das Thema Wohnen hat viel damit zu tun.

Die Stellschrauben, die wir haben, sind Hindernisse abbauen und Stärken stärken. Aber dazu muss man verstehen, wieso etwas ist, wie es ist.

Was hat Sie an der Studie im Landkreis Dachau gereizt?

Meine Spezialgebiete sind Leistungsgesetzgebung, Prävention und Rehabilitation bei vulnerablen, also verletzlichen, Bevölkerungsgruppen. Meine Forschung findet nahe bei den Menschen statt, ist also partizipativ und qualitativ ausgelegt.

Das Thema Wohnungsleerstand war keine rein akademische Überlegung, obwohl es eine spannende und lohnende Aufgabe ist. Es gibt wirklich gute Gründe, die Dinge fundierter anzuschauen.

Donnerstag, 27. Januar 2022

Lösung für die Wohnungsnot: Leben über dem Supermarkt-Parkplatz

Und auch da haben wir ein großes Problem: Flächenfraß im riesigen Ausmaß durch Ausweisung von neuen Wohngebieten. Insbesondere der § 13 b ist ein wahnsinniger Flächenfresser, bei dem auch noch alle Naturschutzbelange ausgehebelt werden. 

Der Regionalplan hat 2021 über 1000 ha neue Wohnflächen in der Fortschreibung ausgewiesen (für 20 Jahre)  - am Rand unserer Siedlungen.  
2017-2019 wurden durch §13b (in 2,5 Jahren) zusätzlich 330 ha Fläche überbaut.
Sprich: diese Flächen sind noch nicht einmal in der Regional-Berechnung enthalten sondern kommen einfach so dazu....

So geht es nicht weiter! Und daher brauchen wir neue Ideen.

Schwäbische Zeitung hier  von Hanna Gersmann

Droht da die triste Stadt, eine neue Ära des Plattenbaus, architektonische Einöde? Denn jetzt soll alles zack, zack gehen, gebaut und gebaut werden, damit Wohnen bezahlbar wird. Die neue Bundesregierung verspricht 400 000 neue Wohnungen im Jahr, davon 100 000 Sozialwohnungen. SPD-Bundesbauministerin Klara Geywitz will dafür „den Bauprozess beschleunigen“ und in Serie bauen. Gut und machbar?

Mittwoch, 19. Januar 2022

Ravensburg: In Baugebieten sollen auch Baugruppen Grundstücke bekommen

Eine zukunftsweisende Idee, die uns unserem Ziel, Wohnraum zu reduzieren, ein bedeutsames Stück näher kommen ließe. Hier macht Ravensburg Schule in der Region, ein dickes Lob dafür!
Diese Ideen umzusetzen ginge aber mit Sicherheit genauso gut ohne den § 13b, das ist kein zeitgemäßer Umgang mit unseren Ressourcen.

Schwäbische Zeitung  hier Von Lena Müssigmann

Wenn in den Ravensburger Neubaugebieten die Bagger anrollen, werden nicht nur Einfamilienhäuser gebaut. Die Stadt Ravensburg hat auch für Baugemeinschaften ein paar Grundstücke reserviert - dort können sich also mehrere Menschen gemeinsam ihren Traum vom neuen Wohnhaus erfüllen. Der Verein „Klebun“ - eine Abkürzung für „klein und bunt“ - will so ein Grundstück haben. Die Mitglieder möchten in Gemeinschaft leben und mehr teilen als das in einem gewöhnlichen Mehrfamilienhaus der Fall ist.

Der Dampfentsafter fällt Mirjam Merk als erstes ein: „Das braucht nicht jeder“, sagt sie. Dieses und andere Geräte oder Werkzeuge will sie künftig mit anderen teilen. Ihre jetzige Wohnung ist bald zu groß, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Außerdem wünscht sich die selbständige Schreinerin für ihre künftige Art zu wohnen eine Balance aus Gemeinschaft und Rückzugsmöglichkeit.

Aus ihrer ersten Idee einer Tiny-House-Siedlung wurde nichts, doch die 44-Jährige suchte weiter, ihre Idee zog Kreise: Merk fand andere Menschen aus der Region mit ähnlichen Wünschen. Inzwischen hat sie mit neun Gleichgesinnten den Verein Klebun gegründet. Ziel: Als Gruppe einen Bauplatz in Schmalegg zu ergattern und dort den Traum vom gemeinschaftlichen Wohnen zu realisieren.

....Der Verein Klebun in Ravensburg wird bei seinem Vorhaben vom Vier-Häuser-Projekt in Tübingen beraten..... Die Klebun-Mitglieder haben mit Martina Lehn aus Ravensburg eine Architektin beauftragt, die mit der Gruppe über ein konkretes Bauvorhaben nachgedacht, Kompromisse gesucht und schließlich Pläne gezeichnet hat. Neun Wohneinheiten und ein Gemeinschaftsbereich in zwei Holzhäusern, die miteinander verbunden sind ...

In den vier Ravensburger Neubaugebieten, die nach dem beschleunigten Verfahren gemäß Paragraf 13b des Baugesetzbuches ausgewiesen wurden (Anmerkung: dass der §13b genutzt wird finde ich wiederum gar nicht gut!), werden nach Einschätzung der Stadt rund 40 Grundstücke an Baugemeinschaften vergeben. Baugemeinschaften mit bis zu drei Beteiligten müssen möglichst viele Punkte in einem Bewertungskatalog sammeln, unter anderem durch Engagement in Ravensburg, um zum Zug zu kommen. Baugruppen ab vier Mitgliedern müssen ihre Pläne vorlegen und ausführen, was sie vorhaben - nach gewissen Kriterien wie „Qualität der Planung“ und „innovative Mietwohnform“ wird das beste Konzept für einen Bauplatz von einem Auswahlgremium gewählt. ....

Nur wenn man Dinge teilt, reichen 30 Quadratmeter zum Leben. Werkstatt und Waschküche, Gästezimmer und eine große Küche können gemeinsam genutzt werden. Jetzt sucht der Verein Menschen, die künftig mit in der Gemeinschaft leben wollen - vorausgesetzt, alles klappt wie geplant. 

Ein Video über Schwierigkeiten und Chancen des Projektes gibt es unter schwäbische.de/klebun

Weitere Informationen zum Verein gibt es unter klebun.de, Kontaktmöglichkeit besteht per E-Mail an klebun@web.de.

Donnerstag, 9. Dezember 2021

Das tut sich in Markdorf: Stadt steigt in Wohnbaumarkt ein

Kurzmeldung im  Südkurier  am 9.12.21
MARKDORF: Bezahlbare Mieten als gesetztes Ziel

Die Stadtverwaltung Markdorf möchte einen Beitrag zu bezahlbarem Wohnraum leisten. Nach Beschluss des Gemeinderates wird nun ein Eigenbetrieb für Wohnungsbau und Grundstücksverkehr gegründet. Die Anregung stammt von den Freien Wählern. Das Gremium werde zu jedem Zeitpunkt Herr des Verfahrens sein, kein Ankauf, kein Verkauf ohne Zustimmung des Rates, sagte Stadtkämmerer Michael Lissner in der jüngsten Sitzung.

 

VON JÖRG BÜSCHE MARKDORF.REDAKTION@SUEDKURIER.DE  hier

Die Stadtverwaltung hat ab 1. Januar 2022 einen neuen Eigenbetrieb: Nach der Wasserversorgung möchten Gemeinderat und Stadtverwaltung in Zukunft auch den Wohnungsbau und den Grundstücksverkehr in die eigenen Hände nehmen. Zumindest jenen Teil des Markdorfer Immobilien- und Mietmarktes, auf dem die üblichen hohen Preise Menschen mit geringem Einkommen oder in schwierigen Situationen kaum noch zum Zuge kommen lassen. So skizziert es jedenfalls die Satzung des nun vom Gemeinderat beschlossenen neuen Eigenbetriebs Wohnungsbau und Grundstücksverkehr.

„Das ist erst ein kleiner Einstieg in dieses breite Thema“, erklärte Stadtkämmerer Michael Lissner, als er den Räten sein weiteres Vorgehen zur Gründung des Eigenbetriebs umriss. Lissner skizzierte, wo die Aufgaben des Eigenbetriebs liegen. Dieser soll vor allen Dingen neuen Wohnraum schaffen, indem die Stadt Ein- oder Mehrfamilienhäuser errichtet oder erwirbt. Der Eigenbetrieb soll zudem Grundstücke kaufen, um Wohnbauflächen oder auch Gewerbebauflächen zu entwickeln. Im Auge behalten werde die Stadtverwaltung laut Lissner stets das Ziel, Senioren, Familien mit Kindern oder Benachteiligten Wohnraum zu „angemessenen Preisen“ anbieten zu können.


Montag, 11. Oktober 2021

Vorbild-Projekt in Überlingen: Klimaneutral wird’s erst mit Bewohnern

 Südkurier hier

 VON HANSPETER WALTER UEBERLINGEN.REDAKLTION@SUEDKURIER.DE

Es sind oft kleine Dinge, die Menschen ärgern können, wenn sie alten Gewohnheiten zuwiderlaufen. Deshalb gilt es diese Probleme rechtzeitig zu erkennen. Sonst können auch bei ambitionierten Projekten Hindernisse auftreten. Denn man kann noch so viel perfekte Technik und moderne Materialien einsetzen: Ihre Wirkung kann schnell verpuffen oder zumindest gemindert werden, wenn die Menschen nicht mitspielen.

Ein profanes Beispiel wurde beim Tag der offenen Tür der Überlinger Baugenossenschaft im Stadtquartier 2050 immer wieder angesprochen – das gekippte Fenster. Doch dazu später mehr. Mit einem interdisziplinären Zusammenspiel von Architekten und Energiespezialisten, Bauphysikern und Sozialwissenschaftlern soll in Überlingen bis 2023/2024 ein klimaneutrales Wohngebiet mit rund 170 Wohnungen in 14 Gebäuden entstehen. Geschäftsführer Dieter Ressel hieß dazu neben vielen Fachleuten auch Bewohner und Bürger willkommen. Architekt Gerhard Metzger gab mit einer anschaulichen Präsentation einen kompakten Überblick über die verschiedenen Facetten des anspruchsvollen Vorhabens.

Einen der entscheidenden Aspekte auf dem Weg zur Klimaneutralität brachte beim abschließenden Podiumsgespräch Andreas Huther, der nebenamtliche Geschäftsführer der Baugenossenschaft und gleichzeitig Chef des Überlinger Unternehmens Puren, auf den Punkt. „40 Prozent unseres Energiebedarfs wenden wir im Moment für Heizungswärme auf“, sagte Huther: „Das macht rund ein Drittel des Kohlendioxidausstoßes aus.

An verschiedenen Hebeln soll nun angesetzt werden, um insbesondere den Bedarf an fossiler Energie zu mindern – bei der Produktion von Wärme und beim Verbrauch. Womit wir bei dem bereits erwähnten gekippten Fenster wären. Das gibt es in den neuen 14 Gebäuden der Baugenossenschaft nämlich nicht, da über lange Zeit gekippte Fenster sehr viel an Wärmeenergie verloren geht.

Für frische Luft gibt es eine kontrollierte Be- und Entlüftung mit einer wirkungsvollen Wärmerückgewinnung. Wer allerdings einmal Stoßlüften oder die Vögel zwitschern hören will, kann sein Fenster vollständig öffnen. „Wir haben keine Kippfenster eingebaut, damit erst gar niemand in die Verlegenheit kommt“, erklärt Architekt Gerhard Metzger.Dass dies den Bewohnern auch erklärt wird, ist ein wichtiges Anliegen für Sozialwissenschaftlerin Karin Schakib-Ekbatan und ihre Kollegin Annette Roser vom Institute for Resource Efficiency and Energy Strategies (IREES) in Karlsruhe. Sie suchen nicht nur das Gespräch mit den neuen Bewohnern, sondern hatten bereits vor dem Spatenstich Kontakt zu den Anwohnern aufgenommen.

„Rebound-Effekt“ nennt Karin Schakib-Ekbatan vom IREES ein häufig beobachtetes psychologische Phänomen, das geeignet ist, die eigentliche Absicht eines Konzepts zu konterkarieren. Als Beispiel nennt sie LED-Lampen oder umweltfreundliche Antriebe. Wer wisse, dass der Verbrauch hier geringer sei, neige oft dazu, mehr davon zu verwenden oder sie länger einzusetzen. Was den Erfolg mindere. „Deshalb sprechen wir hier statt von Effizienz lieber von Suffizienz“, sagte sie: „Von dem, was mir ausreicht.

Zur eigenen Kontrolle für die Bewohner hat das Fraunhofer-Institut eine spezielle Quartiers-App entwickelt, die nicht nur den individuellen Energieverbrauch darstellt, sondern auch für die Buchung eines Car-Sharing-E-Mobils genutzt werden kann. Aber auch hier kommt es auf die Praktikabilität an. Die interaktive Technik, die hinter der Optimierung gewisser Nutzungen steht, könne durchaus komplex sein, betonte Annette Roser, doch die Bedienung müsse einfach und praktikabel sein.

Neben den Bauphysikern des Fraunhofer-Instituts Karlsruhe war auch Andreas Bachmaier mit dabei, der Energie-Experte des Partners Stadtwerk am See. Er begleitete Führungen zur bestehenden Heizzentrale, von der das gesamte Quartier versorgt wird. Hier ist der andere Hebel zu einer klimafreundlicheren Wärmeerzeugung. Bachmaier erklärte vor Ort, wo die geplante Anlage für Solarthermie entstehen wird.

Nachhaltigkeit ist auch an anderer Stelle wichtig. „Unsere Materialien müssen zu 100 Prozent recyclebar sein“, sagte Andreas Huther, der mit Puren unter anderem für die Entwicklung einer raumsparenden Wärmedämmung verantwortlich ist, „egal, wie lange die Lebensdauer der Gebäude ist“. Energieeffiziente Gebäude nützten allerdings gar nichts, „wenn wir die Menschen nicht mitnehmen“. Auch sie müssten im Alltag ihr Verhalten ändern, betonte Huther. Dies sei auch ein Grund, weshalb es sozialwissenschaftliche Begleitung und Forschung dazu gebe.

Kritik kam in der Diskussion von Zuhörer Christian Kuhn, der die Terminologie kritisierte. „Verwenden Sie doch nicht ständig den Begriff klimaneutral, Sie werden doch nie ganz klimaneutral sein können“, sagte er und verwies auf die Notwendigkeit von ergänzenden Gaskesseln in manchen Wintermonaten.

Die Experten wollten diesen Vorwurf nicht im Raum stehen lassen und machten sogleich eine Gesamtrechnung auf. Zum einen könne hier auch Biogas eingesetzt werden, zum anderen produziere das Quartier über das Jahr gerechnet mit seinen Fotovoltaik-Anlagen mehr Strom als hier gebraucht werde. Der Begriff habe durchaus seine Berechtigung.

Die Landeshauptstadt Stuttgart und die Große Kreisstadt Überlingen arbeiten zusammen mit elf weiteren Partnern am Leuchtturmprojekt „Stadtquartier 2050“. Dabei werden zwei städtische Wohnviertel sozialverträglich klimaneutral umgebaut und die Konzepte auf andere Stadtviertel übertragen. Das Vorhaben ist eines von sechs Gewinnern eines bundesweiten Förderwettbewerbs. Zusätzlich zu den Demonstrationsquartieren arbeiten die Projektpartner an technologischen Fragestellungen sowie an sozialen Themen. Außerdem entwickeln sie vier verschiedene Tools zur Anwendung in Stadtquartieren. Das Leuchtturmprojekt wird von zwei Bundesministerien mit insgesamt 13,5 Millionen Euro gefördert.

Dienstag, 27. Juli 2021

Bezahlbarer Wohnraum in Salem

Investoren Neue Mitte

Schon bei der Diskussion um die "Salem Mitte"-Bebauung forderte die GOL (mit freien Wählern zusammen) sehr früh eine gute Durchmischung und bezahlbaren Wohnraum.
Daraus ergaben sich bescheidene Ansätze, die vom "alten" CDU-dominierten Gemeinderat beschlossen wurden.Von 12 vergebenen Losen erhielten 4 die Auflage zur Ausweisung günstiger Wohnungen im Rahmen zwischen 15-20% der Wohnungen.
Gegen Ende 2016  versuchten die beiden betroffenen Investoren diese Auflagen massiv zu reduzieren, worauf aber
Gemeinderäte der Freie Wähler , der GOL , der SPD und  FDP potestierten und die Beibehaltung forderten.

Im Dezember 2020 stellte die GOL den Antrag auf Unterrichtung, was denn nun ganz konkret daraus geworden sei.
hier der Antrag und hier die Antworten der Verwaltung.
 

Wie viele Wohnungen innerhalb der 16 Lose wurden insgesamt gebaut?
Es wurden insgesamt 208 Wohnungen gebaut. (Die Lose für die Reihenhausbebauung am Bach sind noch nicht vergeben.)
Wie viele mietpreisgebundene Wohnungen wurden umgesetzt?
Bei einem Investor wurden 5 mietpreisgebundene Wohnungen (15% der erstellten Wohnungen) vereinbart und umgesetzt.
Bei dem anderen Investor wurden 10 Wohnungen (20 % von 50 Wohnungen) als mietpreisgebundene Wohnungen vereinbart und umgesetzt.

Fazit:  15 von 208 Wohnungen sind mietpreisgebunden ausgewiesen worden. Das sind 7% der Wohnungen. Man muss sich allerdings vor Augen führe, dass diese Auflage nur für 10 Jahre gilt. Nach 10 Jahren können die Wohnungen frei verkauft und vermietet werden, was vermutlich dann eine massive Mieterhöhung bedeutet.
 

Was bedeutet das nun? Die Mieter müssen einen Wohnberechtigungsschein vorlegen können.
Diesen erhält man bei der Gemeinde bei einem Einkommen bis zu 50.000,-/Jahr pro Einzelperson, also durchaus auch bei nicht ganz so niedrigem Einkommen. (es lohnt sich also genau nachzufragen)
Die niedrige Anzahl der ausgestellten Berechtigungsscheine läßt jedoch vermuten, dass nur Wenige darüber informiert sind - oder aber: es gab bisher nicht so viele Wohnungen auf dem Markt,für die sich ein Gang zum Rathaus lohnte.


Info der Verwaltung: Laut Förderzusage der L-Bank für die mietpreisgebundene Wohnungen darf diese in der Neuen Mitte 11,00 € pro Quadratmeter abzüglich 33 % betragen, das wären 7,37 € pro Quadratmeter.

Die L-Bank erlaubt in den Bescheiden einen Zuschlag für die Tiefgarage von 60,00 € pro Monat und einen Zuschlag für eine zur Verfügung gestellte Einbauküche von bis zu 50,00 € pro Monat.

 

 

Kreisbaugenossenschaft

 

Teile des Gemeinderates waren deshalb sehr erpicht darauf, die Kreisbaugenossenschaft Bodenseekreis nach Salem zu holen. Diese baut Wohnungen, die langfristig an Genossenschaftsmitglieder ca. 30% unter dem Preisspiegel vermietet werden.

Da kein Verkauf erfolgt, gibt es auch keine Kündigung der Wohnung.


2018 wurden daher 2 Grundstücke für Mehrfamilienhäuser  an die Baugenossenschaft gegeben. Konditionen: Alle Wohnungen werden im  eigenen Bestand behalten und mit ca. 7,00 €/qm vermietet.

 

Um solche Konditionen zu schaffen erwartet die Kreisbaugenossenschaft üblicherweise ein Entgegenkommen der Kommune in Form eines Preisnachlasses auf den Grundstückspreis.

Dieses Entgegenkommen wurde in Salem sehr heiß diskutiert, schließlich  fiel die Entscheidung mit 14:9 Stimmen dafür. (Dagegen stimmten Mitglieder der Fraktionen CDU,SPD und FDP)
Die Kreisbaugenossenschaft erhielt 200.000,- Preisnachlass auf den Grundstückspreis.

 

Dazu muss man jedoch sagen, dass  die Grundstücke des Edeka-Marktes und des Drogerie-Marktes, in denen zusätzliche Stockwerke mit Wohn- und Gewerbeflächen ermöglicht wurden, zu einem wesentlich geringeren m²- Preis veräußert wurden als das ermäßigte Grundstück der Kreisbaugenossenschaft.

Nun legte die Kreisbaugenossenschaft in der Sitzung vom 19.7.21  ihre konkrete Planung für 30 Mietwohnungen in 2 Gebäuden vor.
Sie bat um eine Befreiung der 2 Stellplätze pro Wohneinheit-Regelung in Salem, da sie auch 1-Zimmer-Wohnungen und 2-Zimmer-Wohnung anbietet, bei denen keine 2 zugehörigen Autos zu erwarten sind. Dafür bietet sie sehr viele Fahrradstellplätze an.

In der Sitzungsvorlage wurde daruf verwiesen:


Frau Santini vom Südkurier berichtet hier

Erstmals mietpreisgebundenes Wohnen in Salem?
Gemeinderat gibt grünes Licht für Bauantrag

Der Salemer Gemeinderat hat sich mehrheitlich für den Bauantrag der Kreisbaugenossenschaft Bodenseekreis ausgesprochen. Die Grundstücke befinden sich im Neubaugebiet Stefansfeld Nord-Ost. Wir erklären, was geplant ist und wer eine der 30 Mietwohnungen bekommen könnte. Bislang hat die eingetragene Genossenschaft in Friedrichshafen, Tettnang, Kressbronn, Langenargen und Meckenbeuren derartige Bauvorhaben realisiert.

Mittwoch, 17. Februar 2021

Fund im Wochenblatt Ravensburg

Die Wohnungsbau-Wende kommt!

WOCHENBLATT
Redaktion
    

Wohnungsbau: bezahlbar, klimaneutral, generationengerecht – Onlinekonferenz mit Architekten-Chef Markus Müller

hier kann der Artikel im Wochenblatt zur Wohnungsbau-Wende  in ganzer Länge gelesen werden.

Hier sind Auszüge daraus wiedergegeben:

Der Wohnungsbau der Zukunft müsse bezahlbar, nachhaltig, Klimaverschlechterung, individuell und gleichzeitig allen Generationen gerecht werden, betonte Fachmann Markus Müller in seinem Impulsreferat. 

Weitere Aspekte seien die Individualisierung und Alterung in der Gesellschaft, die Preissteigerungen bei den Immobilien sowie die Umsetzung der Klimaschutz-Ziele. Markus Müller und sein Architekten-Kollege Frieder Wurm forderten „mehr Mut zur Wahrheit.“ Die Bauflächen, also der verfügbare Grund seien nicht mehr zu vermehren. Wohnungsbau konkurriere mit der Landwirtschaft, mit Energieflächen und mit dem Naturschutz. Zulange hätten auch Architekten, Bauträger, Investoren und Kommunen am Wohnungsmarkt vorbei agiert.

Der Zeitpunkt für Veränderungen sei gekommen. Die 20-er Jahre bedeuteten ein Jahrzehnt der „Wohnungsbau-Wende“. Neue Gewerbe- und Wohnungsbauten werden klimaneutral erstellt werden, neue Wohnformen müssten von den BürgerInnen diskutiert werden. Quartiers- und Stadtteil-Programme verbunden mit Wohngemeinschaften, sozialer Infrastruktur, Einzelhandel und mit kurzen Wegen bieten neue Chancen des Zusammenlebens. Dann gelte es in den Stadtteilen den Bestand zu aktivieren, also Gebäude aufzustocken und zu verdichten.

Montag, 21. Dezember 2020

Hintergrundinfos zum umstrittenen "Flächenmanager" in Salem

Unsere Hintergrundinformationen bestehen aus längeren Texten und sind an dieser Stelle nicht ideal darzustellen.
Wir möchten darin gerne die tiefergehende Problematik darstellen, das was sich auf den ersten oberflächlichen Blick eben nicht so leicht erschließt.

Sie sind daher unter der Rubrik "Das fordert die GOL" am rechten Seitenrand zu finden

Freitag, 27. November 2020

Ein mutiges Statement einer Bürgerin an den Kreistag

Sehr geehrte Damen und Herren des Kreistages, 

 

ich verrate Ihnen etwas.

Ich liebe unsere Bodenseeregion.

Wir leben in einer Gegend, in der andere Urlaub machen.

Ich bin stolz darauf, im schönen Deggenhausertal zu wohnen.

Mein Name ist Karin Rothaupt und ich habe etwas auf dem Herzen.

 

Wer hier leben möchte, gerne. Bezahlbaren Wohnraum für alle, ich bin dabei.

Gesunder Tourismus, her damit.

Was ich nicht möchte, ist das wir unsere wunderbare Gegend verschandeln.

Durch fiese Bauten, die gar nicht hierher passen.

Streuobstwiesen, Weinberge, saftige Wiesen, Hopfenfelder, all das gehört zu uns.

 

Wir leben in einer Gegend, die es zu schützen gilt.

Denn das ist es, was uns ausmacht.

Wir müssen nicht um jeden Preis größer, schneller, weiter spielen. Wir sind gut, wie wir sind.

Bausünden - wie die Neue Mitte in Salem - dürfen sich - aus meiner Sicht nicht wiederholen.

 

Ich brauche kein München 2, kein Chiemgau 2.

Was lieben wir, unsere Urlauber, die Reigeschmeckte :-) - unsere Bodenständigkeit, unsere Natürlichkeit.

Das  sollten wir uns bewahren.

Veränderungen gerne - auf jeder Ebene - aber nicht um jeden Preis.

 

Neues sollte sich in unsere wundervolle Heimat einfügen und nicht wie ein Fremdkörper wirken.

Ich möchte Sie zum Nachdenken anregen- meine Bitte:

Schauen Sie bei neuen Projekten genau hin.

Einfaches Durchwinken – weil das liebe Geld lockt – ist nicht immer der beste Weg. 

 

Haben Sie Mut, uns besonders zu lassen. 

Seien Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst, die Sie in Ihren Städten und Gemeinden haben.

Ob im Rat oder einfach als Mitbürger. 


 

Sonntag, 1. November 2020

Antrag auf Unterrichtung über umgesetzte Maßnahmen im Bereich Sozialer Wohnungsbau / günstige Mietwohnungen vom 1.11.2020

Antrag vom 1.11.20

laut §13(2) der Geschäftsordnung
(schriftliche Unterrichtung oder bis spätestens  24.11.20 auf TO)

Antrag auf schriftliche Unterrichtung der Fraktion der GoL

Offizielle Anfrage an die Verwaltung

In Salem wurden in den letzten Jahren 2 große Baugebiete ausgewiesen, die auf Grund ihrer Rahmenbedingungen größtenteils Wohnraum im hohen bis sehr hohem Preissegment schufen.
Da wir alle wissen, dass es in Salem nicht nur "Besserverdienende" gibt, gab es auch  stets Bestrebungen zum Ausgleich.

  •         - In der neuen Mitte wurde von Anfang an eine gute soziale Durchmischung gefordert.
  •        - Im Baugebiet Stefansfeld wurde auf Vermittlung der Freien Wähler die Kreisbaugenossenschaft Bodenseekreis e.G. ins Boot geholt, indem man ihnen 2 Grundstücke für Mehrfamilienhäuser zu vergünstigten Konditionen (30% Nachlass) anbot.
  •         - Ebenso gab es das Angebot eines Investors 40% der Wohnungen für 10 Jahre 5% unter der ortsüblichen Miete anzubieten.

 Nun möchten wir gerne wissen, was umgesetzt wurde, um den zukünftigen Handlungsbedarf abzuschätzen.

Der letzte offizielle Wissensstand des Gemeinderates stammt aus dem nicht-öffentlichen Teil der  Gemeinderatssitzung vom 27.10.2016. Wir möchten mit diesem (selbstverständlich nicht personalisierten) Wissen öffentlich arbeiten.

 

 1.       Neue Mitte

 

Laut der Sitzungsvorlage vom 27.10.2016  war damals von 4 Losen die Rede, in denen mietpreisgebundener Wohnraum anzubieten wäre.

Es gab insgesamt 16 Lose. D. h. 12 Lose wurden ohne Auflagen an Investoren vergeben.

Mietpreisgebundener Wohnraum bedeutet laut der Sitzungsvorlage: entsprechend den Vorgaben des Landeswohnraumförderprogramms muss ein Teil der Wohnungen vermietet werden und darf mit 15jähriger Bindefrist nur zu 33% unter der ortsüblichen Vergleichsmiete vermietet werden.
Die Vermietung darf nur über Wohnberechtigungsscheine erfolgen.

  • Investor 1 hatte sich verpflichtet 15-20% der geplanten Wohnungen in 2 Losen im Eigentum zu behalten und als mietpreisgebundenen Wohnraum zu vermieten. Bei insg.  29 geplanten Wohnungen in diesen 2 Losen hätte das 4-6 Wohnungen betroffen.
     Er trat in dieser Sitzung mit dem Wunsch an die Gemeinde heran, den Wert auf 10 %, also auf 3 von 29 Wohnungen zu senken.

 

  •           Investor 2 hatte sich verpflichtet 20% der geplanten Wohnungen in 2 Losen im Eigentum zu behalten und als mietpreisgebundenen Wohnraum zu vermieten.
    Bei insg. 50 geplanten Wohnungen in diesen 2 Losen hätte das 10 Wohnungen betroffen.
    Er trat in dieser Sitzung mit dem Wunsch an die Gemeinde heran, die Wohnungen zu vergünstigten Preisen zu verkaufen.

Frage: Wir haben im Gemeinderat keine Rückmeldung bekommen was schließlich konkret umgesetzt wurde.

Uns interessiert:

·         Wie viele Wohnungen wurden innerhalb der 16 Lose insgesamt gebaut.

·         Wie viele mietpreisgebundene Wohnungen (stimmen die genannten Konditionen oben?) bitte ganz konkret in Zahlen ,  wurden von Investor 1

·         und von Investor 2 jeweils umgesetzt –

·         wurden diese von Menschen mit Wohnberechtigungsscheinen bezogen?

 

 2.       Stefansfeld

Die Kreisbaugenossenschaft Bodenseekreis e.G. hatte  am 6.10.2018  2 Grundstücke für Mehrfamilienhäuser zu vergünstigten Konditionen (am 5.11.2018  Bitte um 30% Nachlass) übernommen.

Frage: Seither haben wir keine konkreten Bauabsichten vernommen.

Gibt es eine Absprache mit der Verwaltung diesbezüglich?

Wann soll  der Bau begonnen werden?

  

Ein Investor wollte 40% der Wohnungen für 10 Jahre 5% unter der ortsüblichen Miete  anbieten.

 Frage: Die Wohnungen sind gebaut, gibt es einen Nachweis für die Umsetzung der Maßnahme im versprochenen Umfang?

 

 3.       Zukunft

Fragen:

·         Wie viele Wohnberechtigungsscheine wurden denn für  Salem bisher ausgestellt?
Für uns wäre das ein guter Anhaltspunkt

 

·         ist der Soziale Wohnbau /  der Bau preisgünstiger Mietwohnungen oder sonstiger Alternativkonzepte ein Thema, das die Verwaltung von Salem auf dem Schirm hat?
Gibt es weitere konkrete  Überlegungen in dieser Richtung?

 

·         Ist man in Gesprächen / in Verbindung mit entsprechenden Ideen?
Womöglich sogar in sinnvoller Verbindung mit ökologischen Modellen?
Wäre es nicht sinnvoll sich hierzu frühzeitig Ideen und gangbare Wege  gemeinsam mit dem Gemeinderat aufzeigen zu lassen, es gibt schon viele gute Ideen.

 

 Im Namen der GOL

Petra Karg, Fraktionsvorsitzende