Dienstag, 28. Mai 2024

Wahl-Baustein: Warum braucht es junge Menschen im Gemeinderat?

Südkurier hier  Serie „Köpfe zur Kommunalwahl“MIRIAM ALTMANN

Die jüngste Kandidatin für den Gemeinderat will große Themen anpacken: Mit ihren 17 Jahren ist Gudrun Hahnemann die jüngste Bewerberin in der Gemeinde Salem, hat aber klare Ziele vor Augen.

Bildungskrise, Klimawandel, Naturschutz: Für Gudrun Hahnemann gibt es viele drängende Probleme, die die Gesellschaft zu bewältigen hat. „Themen, die Jüngere betreffen, werden seit Jahrzehnten ignoriert“, sagt die 17-Jährige, die als jüngste Kandidatin für den Salemer Gemeinderat antritt. Diese Entscheidung sei das Ergebnis einer längeren Bedenkzeit gewesen. „Ich interessiere mich schon immer für Politik, lese seit Jahren viele Bücher zu dem Thema und sehe viele Nachrichten“, konstatiert die Abiturientin, die gerade in den Prüfungen an der Klosterschule Wald steckt. Dabei ist ihr der Blick über den Tellerrand wichtig: Mit Freunden im Ausland diskutiere sie auch internationale Politik.



Auf kommunaler Ebene lässt sich am einfachsten etwas ändern
Dass sie sich nun auf kommunaler Ebene engagiert, sei dazu kein Widerspruch, da man hier am einfachsten etwas ändern könne. „Man kennt viele Leute, ist näher am Volk und es ist die direkteste Form der Demokratie.“ Eine Freundin habe ihr vorgeschlagen, eine eigene Partei zu gründen, doch vor einem halben Jahr entschied Gudrun Hahnemann, wie ihre Mutter für die Grüne offene Liste (GOL) zu kandidieren.

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Eine Frage an Gudrun Hahnemann
Video: Altmann, Miriam

Durch die vielen Kontakte, die sich daraus ergeben hätten, bekomme sie mit, dass es im Gemeinderat mitunter für Frust sorge, wenn es mit manchen Themen nicht vorangehe. Das schreckt die 17-Jährige jedoch nicht ab, die auf eine „schöne Erfahrung“ hofft: „Es ist gut, wenn jemand Jüngeres kandidiert.“

Sie plant ein Freiwilliges Soziales Jahr
Dabei geht sie reflektiert und zielgerichtet vor: Neben dem Besuch eines Workshops über Kommunalpolitik habe sie sich Gedanken über die nächsten fünf Jahre gemacht. „Wenn ich mit der Schule fertig bin, habe ich Zeit, mich einzubringen“, erklärt sie. Nach dem Abschluss ihrer Schreinerlehre im Februar werde sie ein Freiwilliges Soziales Jahr in Buggensegel absolvieren. Danach könne sie sich zwar vorstellen, für ein Studium oder eine Ausbildung wegzuziehen: „Aber wenn ich gewählt werde, werde ich auch hierbleiben“, kündigt sie an.

Nahverkehr und Öko-Landwirtschaft sind ihr wichtig

Neben den großen Themen sind der Abiturientin vor Ort der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und die Förderung ökologischer Landwirtschaft wichtig. Darüber hinaus will sie sich für mehr Bildungs- und Freizeitangebote und die Unterstützung von Vereinen einsetzen. „Ich bin seit der dritten Klasse im Musikverein Mimmenhausen“, stellt die begeisterte Tuba-Spielerin heraus. Die Vielzahl ihrer Interessen zeigt sich auch an der Wahl ihrer Leistungskurse am Gymnasium: Geschichte, Latein und Mathe. „Ich bin die Einzige mit dieser Kombination“, meint Gudrun Hahnemann schmunzelnd. Reizvoll daran sei, wie viel man sowohl aus der Vergangenheit als auch aus der Gegenwart über die Gesellschaft lernen könne. Ob sie das am Ratstisch anwenden könne, werde der 9. Juni zeigen. Doch prinzipiell traue sie sich das zu: „Ich hatte ein bisschen ein Unsicherheitsgefühl, aber es ist toll, dass ich die Möglichkeit habe“, sagt sie über ihre Kandidatur.

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